Johannes Kersthold Musikerfinder


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Wie mag das klingen, wenn sich Brandenburger Naturgeräusche, Techno-Klänge und ein Jazz-Piano vermischen?
Der Berliner Jazzmusiker Johannes Kersthold hat es ausprobiert und aus all diesen Zutaten sein neues Soloalbum "Frauenhilfe" fabriziert.
Die Inspiration liegt in Brandenburg: Ein leerstehendes Pfarrhaus am Parsteinsee und ganz viel Natur – mehr brauchte Johannes Kersthold nicht, um "das Material" für sein neues Album zu sammeln. Ist ja auch schon eine ganze Menge: der See, das Oderbruch, Wellengeräusche, Krötenkonzerte, Vogelgezwitscher, Windrauschen – und dazu der Teckno-Sound der Dorfjugend. "Das alles ließ meine durch die Großstadt Berlin geprägten Klangerfahrungen neu definieren", erinnert sich Kersthold an seine Brandenburger Zeit im Jahr 2009: "Ich sah mich als Mensch zwischen Natur und Technik." Das Ergebnis seiner etwas anderen Auszeit ist "Frauenhilfe", eine CD mit zwölf Titeln – das neue Soloalbum des Jazzmusikers, der sich auf seiner Homepage selbst als "Musikerfinder" bezeichnet und Berlin zu seiner Wahlheimat erkoren hat. Piano zu Elekrobeats und Naturtönen. Da spielt Kersthold also Piano zu Elekrobeats und Naturtönen und führte den Klang eines Steinway D Konzertflügels im Studio mit modernen Grooves und Sounds (aus Brandenburg) zusammen. Jazz meets Blues, Swing und U-Musik. Kerstholds Aufnahmen klingen mal fröhlich, leicht beschwingt, schweben angenehm ruhig vorbei, jazzen aufgeregt und ein wenig eckig und animieren immer wieder zum akustischen Ratespiel: Was klingt denn da gerade mit? In "seinem Pfarrhaus" bastelte der 45-jährige Trierer, der als Pianist auch auf Kreuzfahrten in die Karibik, ins Mittelmeer, zum Nordkap und nach Island in die Tasten griff, mit Keyboards, einer Groovebox, Abhörboxen, einem Rechner und seiner Musiksoftware ein echtes Hörerlebnis zusammen. Dem lässt sich gut lauschen – und Jazz- oder Klassik-Fan zu sein, ist gar nicht Pflicht. Multitalent für Perlinger, Falco und "Cats". Der Pianist und Komponist lebt seit 1987 in Berlin. Damals verließ er seine Geburtsstadt Trier, um bei Walter Norris Piano zu studieren. Er ließ sich an der Hochschule der Künste (heute UdK) im Jazzstudiengang bei David Friedman und Siggi Busch ausbilden und ging bei Abi Takase und Elzbièta Sternlicht in die Schule, spielte für Künstler wie Montserrat Caballé, Max Rabe, Sissi Perlinger und die Kessler Zwillinge und übernahm die Leitung bei den Domfestspielen in Bad Gandersheim. Zudem war der "Musikerfinder" musikalischer Direktor bei "Falco meets Amadeus", arbeitete als Keyboarder beim Konstantin Wecker Musical "Schweijk" am Theater des Westens und war erstes Keyboard bei "Cats" in Berlin. Jazzfreunde kennen ihn als Teil von "Bohemian Crystal", des "Kersthold Piper Quartetts" und des "Griese Kappe Quintetts", mit dem er übrigens auch den ersten Platz beimBerliner Jazz Award belegte.
Warum eigentlich "Frauenhilfe"? Dahinter verbirgt sich eine Gruppe älterer Damen, die sich jede Woche einmal mit dem Pfarrer im Dorf trifft. Die Teilnehmerinnen mögen diese Treffen nicht missen – und Kersthold hat einige von ihnen auf seinem CD-Cover verewigt. "Sie haben mir geholfen, den strengen Winter 2009/2010 mit Wurststullen und Kaffee und Kuchen zu überleben", sagt der Musiker. Na klar, keine weiteren Fragen...
Zuletzt aktualisiert: 29.11.2010 · Fotos: colourbox.com, Adi von Vendeville, Promo